Lärmbelästigung – Ein nervendes Thema

Dass ständiger Lärm nicht nur lästig und nervenaufreibend ist, sondern auch die Gesundheit ernsthaft gefährdet, lernen heute bereits Schulkinder. Doch wo liegt eigentlich die Grenze zwischen der normalen Geräuschkulisse eines Mietshauses und unzumutbarer Lärmbelästigung? Und welche Möglichkeiten hast Du, Dich erfolgreich gegen Baulärm und rücksichtslose Nachbarn zu wehren? Hier findest Du die wichtigsten Informationen.

Lärm beeinträchtigt die Gesundheit

Wer Tag für Tag mit einem Presslufthammer arbeitet oder auf dem Rollfeld eines Flugplatzes tätig ist, ist verpflichtet einen Gehörschutz tragen. Unser Gehör reagiert äußerst sensibel auf Überlastung. Lang anhaltender Lärm oder extrem laute Geräusche, wie sie zum Beispiel bei einer Explosion auftreten, schädigen die Sinneszellen im Innenohr dauerhaft. Dass selbst geringere Schallpegel die Gesundheit schädigen, gilt heute ebenfalls als sicher. Wissenschaftler können belegen, dass Lärm Stress verursacht, das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt und auf Dauer lebensbedrohliche Herz- Kreislauferkrankungen hervorruft. Es geht also nicht um Bagatellen, wenn sich Mieter über laute Nachbarn beschweren oder sich gegen sogar gerichtlich gegen Lärmbelästigung wehren.

In Ruhe den Feierabend genießen

‚My home is my castle‚ – diesen Satz werden vermutlich die meisten Menschen unterschreiben. Sich in seine eigenen vier Wände zurückzuziehen und in aller Ruhe seinen Feierabend zu genießen, das ist allerdings nicht jedem vergönnt. Vielleicht wohnt nebenan ein Berufsmusiker, der täglich auf seinem Instrument üben muss oder die Mieterin im Obergeschoss liebt es, mit Stöckelschuhen in ihrer Wohnung herumzulaufen. Auf dem Spielplatz gegenüber toben Kinder und im Vorgarten bellt der Hund des Nachbarn unaufhörlich. Musst Du das alles klaglos erdulden oder gibt es Möglichkeiten, sich gegen solche Ruhestörungen zu wehren?

Gesetze, Richtlinien, Normen …

Wie wichtig und ernst das Thema ist, kannst Du bereits daran erkennen, mit wie vielen Gesetzen und Verordnungen der Gesetzgeber die Vermeidung von Lärm und den Schutz vor Lärmbelästigung in Deutschland zu regulieren versucht. Eine kleine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Bürgerliches Gesetzbuch § 1004 in Verbindung mit § 906
  • Immissionsschutzgesetze der Länder
  • Verkehrslärmschutzverordnung
  • Straßenverkehrsverordnung
  • Sportanlagenlärmschutzverordnung
    Und sogar im Strafgesetzbuch findet sich ein Paragraph, der dem Verursacher gesundheitsgefährdenden Lärms empfindliche Geldbußen oder Freiheitsstrafen androht.

Wenn der Nachbar nervt

Presslufthammer

Doch für ‚Otto Normalverbraucher‘ geht es meist um andere Dinge. Gelegentliche Ruhestörer sind sich oft ihrer Schuld gar nicht bewusst. Wer amWochenende seine Wohnung renoviert und spätabends zur Bohrmaschine greift, hat womöglich einfach nur Zeit und Stunde vergessen. In solchen Fällen hilft meist ein freundlicher Hinweis und die nächtliche Ruhe ist wieder gesichert. Was kannst Du jedoch unternehmen, wenn Dein Nachbar an jedem Wochenende bis in die Morgenstunden hinein laute Partys veranstaltet oder Dich der Hund in der Nachbarwohnung nervt? Und in welchem Umfang musst Du Störungen hinnehmen?

Zu bestimmten Zeiten muss Ruhe sein!

Jeder Mensch verursacht auch zu Hause hin und wieder Lärm. Schließlich gehört es heute zum Standard, regelmäßig zum Staubsauger zu greifen, die Waschmaschine zu starten oder beim Kochen den Stabmixer oder andere Küchengeräte einzusetzen. Darum muss jeder Mieter in seiner näheren Umgebung ein bestimmtes Maß an Geräuschen tolerieren. Doch zu bestimmten Zeiten sind solche Arbeiten tabu.

Wann genau Ruhe zu herrschen hat, legen die Gemeinden und Städte in ihren Lärmschutzverordnungen fest. Absolute Nachtruhe ist in der Regel von werktags von 22:0006:00 Uhr einzuhalten. Darüber hinaus hat der BGH Ruhezeiten festgelegt, die zu einem harmonischen Zusammenleben aller Mitbewohner beitragen sollen. Von 13:00 bis 15:00 und von 20:00 bis 07:00 Uhr müssen Ruhezeiten eingehalten werden. Als Maßstab gilt die Zimmerlautstärke. Das heißt, Du und Deine Nachbarn müssen zum Beispiel Fernseher und Musikanlage auf Zimmerlautstärke regulieren und von eventuellen Hausarbeiten oder einem Streit mit dem Ehepartner darf außerhalb Deiner Wohnung nichts zu hören sein. An Sonn– und Feiertagen gilt die Ruhezeit ganztägig.

Erst das Gespräch suchen

Hält sich einer Deiner Nachbarn nicht an diese Zeiten und stört Dich das, solltest Du zunächst versuchen, höflich mit ihm zu reden. Zwar hast Du die Möglichkeit, die Polizei zur Hilfe zu rufen, wenn die Party beim Nachbarn kein Ende nimmt, doch erfahrungsgemäß ist die harmonische Nachbarschaft nach solchen Aktionen dauerhaft gestört. Zeigt sich der Nachbar jedoch uneinsichtig, kannst Du Dir bei Deinem Vermieter Unterstützung suchen. Er muss dafür Sorge tragen, dass jeder seiner Mieter in Ruhe seine Wohnung nutzen kann. Notfalls kann er dem Ruhestörer den Mietvertrag aufkündigen. In der Regel nutzt er seine rechtlichen Möglichkeiten, denn die gestörten Mieter wären berechtigt, die Miete zu kürzen, wenn sie einer andauernden Lärmbelästigung ausgesetzt sind.

Manchmal müssen Polizei und Gerichte helfen

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Leider gibt es uneinsichtige Nachbarn, die nicht mit sich reden lassen. Dann musst Du im Interesse Deiner Gesundheit stärkere Geschütze auffahren. Die Polizei fühlt sich in solchen Fällen zuständig und mancher Ruhestörer fühlt sich von der Anwesenheit der Uniformierten mehr beeindruckt als von seinem Nachbarn. In hartnäckigeren Fällen kann ein Bußgeld fällig werden. Doch nicht immer geht es um solche akuten und offensichtlichen Störungen wie eine exzessive Party. Nervt der Musiker nebenan viele Stunden lang mit seinen Etüden oder gibt der Dobermann vom Mieter in der oberen Wohnung selten Ruhe, bleibt nur die Klage auf Unterlassung.

 

 

Lärmprotokoll helfen bei der Beweisführung

Die Chancen, mit seiner Klage vor Gericht erfolgreich zu sein stehen nicht schlecht – vorausgesetzt Du kannst die Lärmbelästigung beweisen. Experten empfehlen in solchen Fällen ein Lärmprotokoll zu führen. Folgende Angaben sollten festgehalten werden:

  • Datum
  • Zeitraum der Störung (Uhrzeit Beginn und Ende)
  • Detaillierte Beschreibung der Störung

Noch wertvoller sind Deine Aufzeichnungen, wenn sie von einem Zeugen mit Unterschrift bestätigt werden. Führst Du das Lärmprotokoll über einen längeren Zeitraum hinweg, kannst Du das Ausmaß der Lärmbelästigung glaubhaft belegen. Bei der Beurteilung spielt es unter anderem auch eine Rolle, ob es sich um schrille Geräusche handelt ob die Nachtruhe häufig gestört wird.

Spielende Kinder genießen Sonderrechte

Dass Lärmbelästigung auch von der sozialen Akzeptanz bestimmter Geräusche abhängig ist, dafür ist Lärm, der von Kindern verursacht wird, das beste Beispiel. Es kann extrem belastend sein, wenn das Baby der Nachbarin mehrere Wochen lang Nacht für Nacht sein Unbehagen durch lautes Schreien kundtut – da helfen nur Ohrstöpsel und Verständnis. Und auch Mieter, die vor Gericht gegen den Lärm auf dem Spielplatz vor ihrem Haus vorgehen, haben kaum eine Chance auf Erfolg.

Bildquellen:
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Bild 3: © Pixabay.com / saschasfotografien

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