Mietschäden – Wer ist zuständig und wer darf sie beseitigen?

Endlich unabhängig und frei! Das sind mit unter die ersten Gedanken die einem jeden jungen Menschen durch den Kopf gehen, wenn das erste Mal die eigene Wohnung bezogen wird. Klein aber fein und vor allem ganz ohne die ständig prüfenden Blicke der Eltern ausgesetzt zu sein. Viele junge Erwachsene empfinden das Beziehen der ersten Wohnung als einen sehr großen Schritt und das zu recht. Denn immerhin beginnt damit nicht nur die Unabhängigkeit, sondern auch ein großer Schritt in Richtung Verantwortungsbewusstsein. Schließlich sind es in den allermeisten Fällen Mietwohnungen und somit Räumlichkeiten, die einem nicht gehören, sondern nur gemietet werden. Dass muss von Anfang in den Köpfen fest verankert sein, denn spätestens beim Auszug muss für Schäden am Mietobjekt gerade gestanden werden. Doch damit kommt auch schon eine Welle an Fragen und Unsicherheiten auf die jungen Menschen zu, denn nicht alles muss vom Mieter getragen werden. Daher an dieser Stelle nun ein Überblick, was denn alles unter Mietschäden verstanden wird.

Das Übergabeprotokoll

Bevor die Wohnung bezogen wird, sollte unbedingt ein Übergabeprotokoll erstellt werden. Hier werden bereits vorhandene Mängel notiert und auch welche Einrichtungsgegenstände zum Zeitpunkt des Einzuges neu waren. Wenn beispielsweise die Einbauküche neu ist und auch die darin enthaltenen Geräte, dann hat das einen ganz anderen Wert, als wenn die Küche bereits 5 Jahre benutzt wurde. Auch Löcher im Fliesenspiegel sind ein beliebter Streitpunkt. Wer im Vorfeld festhält, an welchen Stellen in Bad und Küche bereits Löcher die Fliesen zieren, ist beim Auszug auf der sicheren Seite. Das Protokoll muss von beiden Parteien unterzeichnet werden und eine Kopie gehört zu den Unterlagen zusammen mit dem Mietvertrag. Dank des Protokolls lassen sich entstandene Mietschäden besser von bereits bestehenden Mietschäden unterscheiden.

Normale Abnutzung des Mietobjekts sind keine Mietschäden!

Zunächst erst einmal ein Blick auf die Tatsache, dass es bei jeder Mietwohnung zu normalen Abnutzungserscheinungen kommt. Immerhin ist es ein Lebensraum und kein Museum. Leider gibt es bislang keine gesetzliche Regelung, was nun wirklich zur Abnutzung und was schon zur Beschädigung zählt. Daher raten Experten stets dazu, sich an ein paar Beispielen zu orientieren. Nicht selten basieren derartige Beispiele auf Gerichtsurteilen.

Sie können sicher sein, dass abgelaufene Teppiche, vergilbte Fugen in Bad und Küche oder auch leichte Schattierungen an der Tapete als normale Abnutzungserscheinung gelten. Das sind keine eigentlichen Mietschäden, sondern normale Gebrauchsspuren, welche mit der Miete bezahlt werden

Die Sache mit den „Schönheitsreparaturen“

Vermieter sind selbstverständlich nicht auf den Kopf gefallen und damit ihr Eigentum im Laufe der Jahre nicht zu sehr an Wert verliert, kommen in den Mietverträgen immer wieder Klauseln vor, die zu kleineren Schönheitsreparaturen verpflichten. Das ist im übrigen rechtskräftig.

So ist der Mieter verpflichtet, die Wohnung in regelmäßigen Abständen zu renovieren. Dazu zählt in erster Linie das Streichen der Wände. In einigen Verträgen werden hierfür sogar feste Zeiten veranschlagt. Küchen und Bäder beispielsweise sollten alle drei Jahre renoviert werden. Andere Wohnräume alle fünf Jahre. Das ist allerdings nur ein Beispiel und wird in der Regel vom Vermieter selber festgelegt.

Hinzu kommen kleinere Reparaturen, wie undichte Wasserhähne, klemmende Türen und ähnliches, welche anteilig vom Mieter mit zu bezahlen sind. Auch hier gibt es in den meisten Mietverträgen eine Klausel, in welcher Höhe sich der Mieter an Kleinstreparaturen zu beteiligen hat. In der Regel jedoch sollten diese veranschlagte Pauschale nicht einhundert Euro überschreiten, denn mit der Mietzahlung wird dem Eigentümer ohnehin monatlich ein stattlicher Betrag zur Nutzung als auch zur Instandhaltung der Wohnung gezahlt.

Eine gute Haftpflichtversicherung ist Pflicht!

Auch wenn viele junge Leute schmunzelnd abwinken, aber ohne eine gute Privathaftpflichtversicherung sollte besser kein Mietvertrag unterschrieben werden. Es kommt sogar recht oft vor, dass der Vermieter ohnehin einen Nachweis über das Bestehen einer solchen Versicherung verlangt. Mit der Privathaftpflichtversicherung kann der Mieter entstandene Schäden an der Wohnung geltend machen. Hierbei handelt es sich um fahrlässig und durch mangelnde Sorgfalt entstandene Schäden. Darunter zählen tiefe Risse im Parkett, bemalte Tapeten oder auch ein Sprung im Waschbecken. Stellt die Versicherung allerdings fest, dass Mietschäden aufgrund grober Fahrlässigkeit entstanden sind, dann muss sich der Mieter selber um die Beseitigung der Schäden kümmern. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn durch übermäßiges Rauchen, die Wände komplett vergilbt sind oder aber durch mutwilliges Randalieren Schäden an Türen oder Wänden entstanden sind.

Die Privathaftpflichtversicherung ist daher kein Freifahrtschein, um sich in einer Wohnung an keinerlei Regeln mehr zu halten. Sie dient allerdings dem Schutz vor horrenden Reparaturkosten, bei fahrlässig entstandenen Schäden. Vor allem wenn Kinder mit in einer Mietwohnung leben, ist es nicht selten, dass diese sich an Stellen verewigen, wo es nicht erwünscht ist.

Die Lebensdauer ist entscheidend

Welchen Wert bestimmte Gegenstände in der Mietwohnung haben, ist abhängig von der sogenannten Lebensdauer. Diese ist entscheidend bei der Kostenübernahme. So hat eine Tapete eine Lebensdauer von 10 Jahren. Muss diese jedoch nach 5 Jahren ersetzt werden, so trägt die Versicherung auch nur den Restwert der Tapete, sprich also 5 Jahre. Den anderen Teil übernimmt der Mieter. Das tritt in Kraft, wenn der Verschleiß durch grobe Fahrlässigkeit entstanden ist. Bestes Beispiel immer wieder: das Rauchen in den Wohnräumen.

Selbst ist der Mann und die Frau

Bei der Frage, wer denn nun die entstandenen Mietschäden wieder in Ordnung bringt, so ist das in der Regel der Vermieter selber. Im Grunde genommen ist der Mieter lediglich dazu verpflichtet, kleinere Reparaturen selber vorzunehmen. Ist dieser handwerklich dazu nicht in der Lage muss er die Kosten für eine Fachfirma übernehmen. Das Tapezieren und Streichen der Wände ist im übrigen nicht mehr zwingend notwendig, wenn man weniger als drei Jahre in der Wohnung gelebt hat. Auf der sicheren Seite ist man immer, wenn man sich mit dem Vermieter absprechen kann. Denn in manchen Fällen können sich beide Parteien entgegenkommen, in dem der handwerklich geschickte Mieter einige Renovierungsarbeiten selber vornimmt und das Material vom Vermieter gestellt bekommt.

Was es beim Auszug zu beachten gibt

Mietschäden bleiben nicht aus. Das ist leider nicht zu verhindern, wenn der Wohnraum genutzt wird. Wenn die Wohnung gekündigt ist und der Umzug bevorsteht, so muss der Mieter selbstverständlich kleinere Mietschäden beseitigen. Dazu gehört das Gipsen von Bohrlöchern in den Wänden, die Säuberung der Fußböden als auch das Reinigen der Einbauküche, so denn eine vorhanden ist. Auch die sanitären Einrichtungen müssen in einem sauberen Zustand übergeben werden. Dass eine Wohnung komplett geweisst werden muss, ist glücklicher Weise inzwischen Geschichte.

Fazit

Mietschäden lassen sich nicht vermeiden. Grundsätzlich schützt eine Privathaftpflichtversicherung vor überteuerten Kosten und horrenden Erstattungen. Des Weiteren ist ein Übergabeprotokoll sinnvoll, um bereits vorhandene Mietschäden zu benennen. Ein offenes und ehrliches Verhältnis zum Vermieter ist immer von Vorteil, dann lassen sich auch kleinere Mietschäden unkompliziert beseitigen.

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