Mit 16 ausziehen

Die erste eigene Wohnung mit 16

Sobald wie möglich von zu Hause ausziehen und sein eigenes Ding machen, ist ein Traum von vielen jungen Menschen. Immer mehr Jugendliche wollen nicht mehr auf die Volljährigkeit warten und bereits mit 16 ausziehen. In der Realität ist dies leider nicht immer ganz so einfach, denn die Minderjährigen müssen mehrere Voraussetzungen erfüllen.

Gründe für einen verfrühten Auszug

Die Gründe mit 16 ausziehen zu wollen, sind sehr unterschiedlich. Viele Jugendliche fühlen sich bei ihren Eltern nicht wohl oder möchten einfach auf

eigenen Füßen stehen. Sie fühlen sich eingeengt, unverstanden und kontrolliert. Manche wollen auch mit ihrem Partner zusammenwohnen oder ganz einfach ein eigenes Reich besitzen. Es gibt auch schwerwiegender Fälle, in denen das Zusammenleben mit den Eltern riesige Probleme verursacht. Manchmal stirbt ein Elternteil und die Jugendlichen kommen mit dem neuen Partner nicht klar. So vielseitig die Gründe für einen verfrühten Auszug aus dem Elternhaus auch sein mögen, die Voraussetzungen müssen stets erfüllt werden.

Ausziehen mit 16 – rechtliche Voraussetzungen

Die Eltern helfen aber trotzdem noch viel.

Das deutsche Gesetz schreibt vor, dass Kinder und Jugendliche frühestens mit dem Erreichen des 16. Lebensjahres von zu Hause ausziehen dürfen. Dennoch gibt es eine wichtige Voraussetzung: Die Volljährigkeit ist erst mit dem 18. Lebensjahr erreicht und bis dahin haben die Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Das bedeutet, die Eltern müssen dem Auszug ausdrücklich zustimmen. Eine amtliche Erlaubnis vom Jugendamt ist zusätzlich nicht vonnöten.

Sie müssen Ihre Eltern mit guten und nachvollziehbaren Gründen überzeugen, dass sie Ihnen ihre Zustimmung geben. Möchten Sie grundlos oder aus Trotz ausziehen, dann werden Ihre Eltern wohl kaum einwilligen. In diesem Fall müssen Sie mit dem Auszug warten, bis Sie 18 Jahre alt sind. Rein rechtlich betrachtet gibt es nur eine Ausnahme. Sollte das Zusammenleben mit Ihren Eltern eine große Belastung auf Sie ausüben, dann wenden Sie sich an das Jugendamt. Nach einer umfangreichen Prüfung kann ein Familiengericht den Auszug auch ohne die elterliche Erlaubnis gestatten.

Wer bezahlt Ihre Wohnung?

Ist die rechtliche Lage geklärt und eine Einwilligung vorhanden, so muss die eigene Wohnung natürlich auch finanzierbar sein. Solange Sie noch nicht 18 sind, müssen Ihre Eltern den Mietvertrag und alle anderen Verträge für Sie unterschreiben. Zusätzlich sind Ihre Eltern zu Ihrer finanziellen Absicherung verpflichtet und müssen Sie unterstützen. Ihnen steht somit das Kindergeld als finanzielle Unterstützung zu. Die meisten Eltern helfen ihren Kindern beim Auszug auch noch mit zusätzlichen Mitteln. In einem netten und ausführlichen Gespräch sollten Sie mit Ihren Eltern alle finanziellen Dinge klären. Reicht die finanzielle Unterstützung durch Ihre Eltern nicht aus, dann gibt es noch andere Möglichkeiten.

Sind Ihre Eltern finanziell in der Lage, Sie zu unterstützen, so errechnet sich die Höhe des Unterhalts gemäß der Düsseldorfer Tabelle. Gemäß dieser steht einem Sechzehnjährigen ein monatlicher Unterhalt in der Höhe von 426 bis 682 Euro zur Verfügung. Ihre Eltern können selbst entscheiden, auf welche Art und Weise Sie Ihnen die finanzielle Unterstützung zukommen lassen. In der Regel überweisen die meisten Eltern das Geld. Vom Gesetz her ist allerdings auch eine rein materielle Unterstützung zugelassen.

Staatliche Zuschüsse

spardose

Es ist auch möglich, eine Staatliche Zuschüsse zu bewerben.

Wenn Sie mit 16 ausziehen und zusätzlich eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung beginnen, dann können Sie bei der Bundesagentur für Arbeit einen Vollzuschuss beantragen. Zusätzlich bekommen Sie natürlich auch noch ein Gehalt. In Kombination sollte die finanzielle Unterstützung für Ihre eigene Wohnung und für Ihren Lebensunterhalt reichen. Der Staat unterstützt Sie allerdings nur, wenn Ihre Eltern dazu nicht in der Lage sind. Einen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen: Sie müssen sich in einer beruflichen Ausbildung befinden und Ihre Ausbildungsstätte muss mindestens 2 Stunden von Ihrem Elternhaus entfernt sein.

Die Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe hängt von Ihrer Ausbildungsvergütung, von dem Einkommen Ihrer Eltern und von weiteren Faktoren ab. Eine zusätzliche Alternative, wenn Sie keine berufliche, sondern eine schulische Ausbildung machen, ist das Schüler-BAföG. Dieses bekommen Sie nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wichtig sind vor allem die Entfernung zu Ihrem Elternhaus und Ihre Unterhaltsfähigkeit. So lange Sie noch nicht volljährig sind, haften Ihre Eltern für Sie. Wenn Sie mit 16 ausziehen und in einer eigenen Wohnung oder in einer Wohngemeinschaft leben, dann geht der Gesetzgeber davon aus, dass Sie für Ihre Handlungen selbst verantwortlich sind. Somit haften Ihre Eltern nicht mehr für Schäden in Ihrer Wohnung.

Checkliste für den Auszug

Mietvertrag mit orangem Schlüsselbund und Kugelschreiber

Für Jugendliche unter 18 Jahre gilt: Die Eltern müssen die notwendigen Verträge unterschreiben.

– der Auszug ist erst mit 16 möglich
– die Eltern müssen zustimmen

– die Eltern müssen alle notwendigen Verträge unterschreiben
– ohne Zustimmung der Eltern kann das Jugendamt weiterhelfen
– ein Beschluss vom Familiengericht ist für den Auszug ohne die elterliche Zustimmung notwendig
– finanzielle Unterstützung durch Kindergeld
– zusätzlich BAB durch die Bundesagentur für Arbeit bei einer betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildung

 

Mit 16 ausziehen – Vor- und Nachteile

Pretty smiling woman painting interior wall of home with paint roller.

Vergleich: die Vor- und Nachteile der verfrühten Auszug.

Jugendliche, die mit 16 ausziehen, haben diesen Entschluss aus vielen unterschiedlichen Gründen gefasst. Somit gibt es für einen Auszug auch ganz unterschiedliche Vorteile. Allgemein betrachtet sind die Jugendlichen ihr eigener Herr, können auf eigenen Füßen stehen und quasi machen, was sie möchten. Eine eigene Wohnung zu haben ist für viele Jüngere ein Traum, doch für diesen müssen sie hart arbeiten. Nur wenn alle Voraussetzungen erfüllt werden, ist ein Auszug vor dem 18. Lebensjahr überhaupt möglich. Viele Jugendliche halten sich finanziell gerade so über Wasser und nicht wenige gehen zurück zu ihren Eltern. Die Unterschiede zum Auszug mit 18 Jahren sind gravierend. Wenn Sie volljährig sind, dann haben Ihre Eltern nicht mehr das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Sie. Dadurch benötigen Sie keine Zustimmung mehr von ihnen und können einfach ausziehen. Natürlich müssen Sie trotzdem die finanziellen Voraussetzungen für eine eigene Wohnung erfüllen.

Hilfreiche Tipps

Mit 16 ausziehen ist keine einfache Aufgabe und die Jugendlichen müssen an viele wichtige Dinge denken. Generell sollten Sie zuerst mit Ihren Eltern reden. Vielleicht lässt sich gemeinsam ja eine passende Lösung finden? Überstürzen Sie den Auszug auf keinen Fall und nehmen Sie sich für Ihre endgültige Entscheidung sehr viel Zeit. Lassen Sie sich zusätzlich von der Bundesagentur für Arbeit und vom Jugendamt beraten. Reichen Ihre finanziellen Mittel nicht für eine eigene Wohnung aus, dann könnten Sie alternativ nach einer Wohngemeinschaft suchen. Dies ist nicht nur kostengünstiger, sondern Sie haben auch Gesellschaft in Ihrem Alter. Gastfamilien sind eine weitere Option zur eigenen Wohnung. Vielleicht können Sie auch eine Zeit lang bei Freunden oder Bekannten unterkommen, bis Sie etwas Passendes gefunden haben.

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